H. Saniter / F. Graff, Plan von Rostock in 3 Varianten.

ca. 1859   (eig. Expl.),

ca. 1860   (Rechte bei der Universitätsbibliothek Rostock),

ca. 1872   (Rechte beim Archiv der Hansestadt Rostock).    +++ B A U S T E L L E +++

 

Der „Saniter-Plan“, häufig nach der Druckerei auch  „Tiedemann‘scher Plan“ genannt, existiert in einer ersten Fassung von ca. 1859

und zwei weiteren von ca. 1860  und ca. 1872. Die angeg. Jahreszahlen für die Pläne entsprechen den bisherigen Erkenntnissen aus

der dargestellten Bebauung im Vergleich mit Adressbüchern und Werbeanzeigen. Zwischen 1852 u. 1858 erfolgten im Auftrage der

Stadt und geregelt in 2 Verordnungen die genauen Aufmaße, wovon selten schöne Zeichnungen im Stadtarchiv zeugen.

ca. 1860

ca. 1872

Die nebenstehende Werbung (RZ 09.12.1866) lässt vermuten,

dass es evt. noch eine vierte, bisher unbekannte Druckversion

des Planes gab, da eine 1859/60er Gebäudesituation für eine

„neue verbesserte Auflage“ von 1866 schon zu alt sein dürfte.

Und der 1872er Plan mit Zollspeicher von 1870 scheidet

für diese Werbung sowieso aus.            Stand: 22.11.2012

ca. 1859

Die ursprüngliche Annahme, der hier in der Mitte abgebildete Druck wäre die früheste Version, entbehrt der Logik: Insbesondere sind

gegenüber der „grünen Wiese“ (links) einige Straßennahmen (Gänsemarkt, Bussebart, Beim grünen Thor) sowie die Namen der Stadttore beim „1860er“ hinzugefügt (!) worden, denn diese Ergänzungen zeigen sich in gleicher Weise beim Plan von ca. 1872, der eine schon fortgeschrittene Bebauung der Vorstädte und bei deren Straßen erweiterte Nummernsysteme darstellt. Abgesehen von den Details der Beschriftung scheint die Gebäude- u. Geländesituation der Pläne von 1859 und 1860 übereinzustimmen.

   Ausgehend vom Abschluss der Vermessungsarbeiten im Jahre 1858 und einer Vorstadtbebauung, die zeitlich zwischen den Adressbuch-

angaben von 1858 (2.Jg.) und 1860 (3.Jg.) einzuordnen ist, könnte für den frühesten Druck das Jahr 1859 zutreffen. Der wohl kurz

danach erschienene, unkolorierte und vermutlich für den kleineren Geldbeutel gedachte Plan wurde von mir zur besseren Unterscheidung

auf 1860 datiert. Dieser 1860er hier wurde im Zuge der Planung des „Wasserröhren-Systems“ (Ausführung 1865 - 1867) mit farblichen

Eintragungen versehen. So wurde auch der scheinbar bereits vorhandene Wasserturm auf der Heubastion nur von Hand eingetragen, im

Original ist das Einstichloch des Zirkels zu erkennen. Die 1872er Variante ist leicht an den korrigierten Hausnummern der St.-Vorstadt

erkennbar, wo sie teilweise neben dem Haus auf dem Hof eingetragen sind. Die Datierung auf 1872 ergibt sich aus der Neuen Werderstr.

mit einer Nr. 11a (ab 1871) und nur 15 Hausnummern (bis 1872) in Verbindung mit der Louisenstr. mit 18 Häusern (ab 1872). Außerdem

zeigt der Plan noch „Ruthen“ als Maßstab, obwohl in Deutschland 1870 (ab 1.1.1872 gesetzl.) das metrische System eingeführt wurde.

   Im Direktvergleich der Pläne von 1859 und 1872 erfreut bei den Vorstadtstraßen die Möglichkeit, gemäß Bebauung und Grundstücks- grenzen die richtigen Paare der veränderten Hausnummern eindeutig bestimmen zu können. Damit steigen die Chancen der Lokalisierung

alter Adressen erheblich. Zur Abrundung dessen könnte dann der 1911er Plan des Vermessungsamtes dienen. Allein nach Adressbüchern gelingt das nicht so leicht. Vereinzelt zeigen auch Kelch-Symbole die Lage von Gasthöfen an: Auf der Westseite des heutigen Grünen

Weges gab es z.B. 1856 den Krug „Zur Rosenhalle“, von 1869 bis zuletzt 1878 dann unter dem Namen „Zur Gartenlaube“. Oder an Stelle

des ehemaligen „Grabmal des Meeres“, ex „Mecklenburger Hof“, stand 1856 der Krug „Zur Wallhalle“, was nur wie Walhalla klingt.

   Der Wert der Pläne besteht nicht zuletzt darin, einige früheste Fotos von Rostock genauer bezeichnen und datieren zu können.

„Bäcker-


  gang“

Bornhöft‘sche

         Mühle

Lange‘sche

     Mühle

Spitta‘sche

Gartenhaus

(>Tischbein)

Standort

v. Kersting

<<< „Zur Rosenhalle“,

       „Zur Gartenlaube“

Farbfehler:

     Gerbergang als

            Wasserlauf >>>>

3x heutiger Rosengarten im Vergleich, mit Unterschieden außer der Farbgebung:

ca. 1859

ca. 1860

ca. 1872

Gesamtplan 1859 und 7 Ausschnitte mit weitgehend lesbaren Hausnummern:

1

2

3

4

5

6

7

1

2

3

4

5

6

7

„Bäcker-


  gang“

Bornhöft‘sche

         Mühle

Lange‘sche

     Mühle

Spitta‘sche

Gartenhaus

(>Tischbein)

Standort

v. Kersting

<<< „Zur Rosenhalle“,

       „Zur Gartenlaube“

Farbfehler:

     Gerbergang als

            Wasserlauf >>>>

noch keine Bezeichnung der Stadttore

(Stein Th. und Schwaan‘sche Th.)

mit Bezeichnung der Stadttore,

noch altes Nummernsystem Fr.-Fr.-Str.

Schwaan‘sche Tor u. Stadtmauer raus, neues Nummernsystem, Gr. Stadtschule + Denkmal v. 1872 eingez., Böschung anders, neue Bäume.