F.H. Dethleff wurde, wie nebenstehend zu bewundern, schon 1895 kopiert ... und unter anderem Namen verkauft - Urheberrechte egal ?,

nein, aber lasch: Ein erstes Uhrheberrechtsgesetz v. 1876 bewilligte

nur 5 Jahre Schutz.

Dieses einzig bekannte Foto der Stadtwaage am oberen Ende der  Großen Mönchenstr. wurde von F.H. Dethleff im März oder April 1870

aufgenommen, denn am 28.04.1870 erfolgte der Verkauf auf Abriss

für „76 Thlr. an einen Maurer“ und am 04.05. wird schon darüber

berichtet, dass man mit dem Abbruch bereits begonnen hat.

   1914 ist das Foto in der Bgl. Baukunst von A.F. Lorenz in ovaler

Form als Abb. 31 zu finden und mit der Quellenangabe „Liebhaberaufnahme, Maurermeister Helm, Rostock“ versehen, was lediglich den Besitz des Fotos betreffen kann.

   Größerformatige Originale mit besserer Auflösung besitzen das Kulturhist. Museum Rostock ( 8. ) und das Staatsarchiv Schwerin

(dort mit Kennzeichnung F.H. Dethleff nach meinen älteren Notizen).

   Abgesehen davon, dass Carl Brucksch erst von 1895-1906 als Fotograf verzeichnet ist und die Stadtwaage schon längst abgerissen war, passt auch das am unteren Bildrand ansatzweise sichtbare Passepartout der Vorlage nicht recht zu einer scheinbar alten Originalaufnahme.

   Im Original ( 8. ) ist eine teilweise Entzifferung des Theater-Plakates (rechts neben dem unteren Giebelfenster) wie auch der beiden Platteninschriften möglich, bei der Carl Brucksch - Kopie ( 7. )

versagt die Auflösung an gleicher Stelle völlig.

   Zum Gebäude selbst sei hier noch A.F. Lorenz zitiert: „Ein schlichter Fachwerkbau, seitlich das Einfahrtstor für die Frachtwagen, oben unter den Fenstern zwei eiserne Inschrifttafeln mit Gewichtsverordnungen. Die Zeichnung Vicke Schorlers von 1585 zeigt das Gebäude mit geschnitzten hölzernen Giebelbekrönungen, die ebenso wie die Verkleidung der Balkenköpfe des Geschoßvorsprungs mit profilierten Bohlen auf die Entstehungszeit um 1580 hindeuten.“

In der RZ vom 29.04.1870 ist das Baujahr 1679 angegeben.

Aufnahmezeitpunkt wahrscheinlich Sommer 1866 (wg. Werbung 12/1866 u. Alter der Töchter).

Foto hier unter 1. als Reproduktion in 2 Teilen, vermutlich von Hans Schulz Nachf. nach 1911.

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Dieses Foto ist alles andere als ein Schnappschuss ! Es ist eher eine Großveranstaltung, zu der die Damen

nebst Anhang sicher eigens nach Gehlsdorf gerudert wurden. Die Belichtungszeit betrug noch mehrere Sekunden und hat etliche Gesichter ruiniert.

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Anm.: Die Farbunterschiede der Ausschnitte sind Zufallsprodukte der Bearbeitung am Rechner.

1.

Der sicherlich von Dethleff selbst aufgeklebte Pappkamerad bleibt rätselhaft. Ein Verdecken der unter dem rechten Fuß beginnenden und vom Reprofotografen noch mal „vertuschten“ Nahtstelle zwischen beiden Teilaufnahmen wird kaum der Grund der Montage gewesen sein. Denkbar wären die Varianten Selbstdarstellung oder Reverenz gegenüber einem Abwesenden. Allerdings scheint Dethleff schon in der rechten Bildhälfte mit abgebildet zu sein (siehe oben auf 1.).

Kampf der Auffassungen: Soweit zu erkennen wurde die dunkle Hose (beide Beine) zuerst von Dethleff passend zur Abendsonne zweistufig aufgehellt - die Jacke jedoch nicht in passender Weise. Der Reprofotograf hat dann Jahrzehnte später mit schwarzer Farbe gekontert.

Der Ausschnitt 2e. des Fotos sagt viel über Herrn Dethleff aus:

Die Baumkrone beeindruckt durch reine Malerei in oberen Teil (bei der

Reproduktion dann prompt weggelassen / schwarzer Strich). Retusche

im Foto ist nicht gerade unüblich, aber ein derartig großflächiger Eingriff

ist schon ein „dicker Hund“ und dem Anschein nach eine ganz normale

Methode bei Dethleff, die ihn von anderen Fotografen auffällig unterscheidet.

   Flott retuschiert hat Dethleff auch die Schilfgruppe zwischen den Bäumen

(links bei 2g.) oder den Vordergrund und einige Personen (2f.).

   Die beiden bei 2g. unten stehenden Knaben scheinen sich so wie die meisten Damen im Foto zu wiederholen, obwohl im Vergleich nur die Mützen und Hosen hier Anhaltspunkte liefern (siehe 2f.).

   Glücklicherweise hat keiner der beiden Fotografen an der baulichen Situation

auf der Rostocker Seite „Verbesserungen“ vorgenommen.

2b.

2d.

2h.

Obwohl dieser im Original ca. 3 x 6 cm große Ausschnitt hier deutlich an die Grenze seiner Auflösung stößt, wird sich

unter den frühen Rostock - Fotos kaum Vergleichbares aus dieser Perspektive finden lassen: 5 Segler gleichzeitig im Bau

zwischen Badstüberstr. und Grapengießerstr. (das rechte Schiff schon etwas westlich davon). Hinzu kommen noch drei

weitere westlich. Nach Dethleffs Entwicklung als Fotograf und den Neubau-Listen in Rabbel, Rostocker Windjammer, ist

als Aufnahmezeitpunkt 1857/58 gut möglich, nach RZ-Werbung und Töchtern im Bild scheint jedoch 1866 zuzutreffen.

   Die Werften lagen vergleichsweise im Bereich der neuen Mammutkreuzung an der Fischerbastion. Die ganze Park- und

Partyfläche im dortigen Stadthafen besteht ab Hauptstraße bis hinunter zur Warnow aus Aufschüttungen seit dem 19. Jh.

2i.

Dieser rechts an 2h. anschließende Ausschnitt zeigt etwa in der Bildmitte die

2 Neubauten auf der Möller-Werft am Fischertor, das leider durch den hohen Schuppen mit dem dunklen Giebel genau verdeckt ist.   Der Segler vorn links im „Christinenhafen“ befindet sich zu Reparaturzwecken am

                                                   Unterwasserteil absichtlich in Schieflage.

<<<<  Bereich der Segelschiffswerften im 19. Jahrhundert  >>>>

Die drei Leitungen zum Wasser hin dürften die bei Rabbel

erwähnten „Moddekisten“ für Abwässer sein. 

Restliche Bäume der „Strand - Allee“,

Höhe Badstüberstr., auf den

beiden nächsten Fotos. 


Der Hafen der „Straßenfischer“ wurde mehrfach verlegt - anfangs weiter in die Warnow hinein, auch im Zuge der Hafenbahnverlegung 1888/89, dann zu Beginn des 20. Jhs. vollständig in Richtung Osten, Höhe Grapengießerstr.,

2008 Teil des Parkplatzes.

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6

aufgeklebt >

Dethleff selbst ?! >>>

Anna an der Kamera ?

Fundsachen zur Biografie Dethleffs im Stadtarchiv:


Aus der Mappe  „D. 1844 Sptbr 6. Concessionirung des Lithographen F. H. Dethleff“,

ein ausgefüllter Vordruck:  „Daß Vorzeiger dieses , der   Lithograph Franz Heinrich Dethleff   sich zur       

                                       Gewinnung des Bürger-Rechts gemeldet, und zum Bürger receptionsfähig

                                       (= aufnahmefähig) befunden sey, wird hiedurch vorläufig bescheiniget.            

                                       Rostock den   28ten August 1844.

                                                                                                 Janentzky, Director Aerarium


Die Eintragung Dethleffs im Rostocker Bürgerbuch erfolgte dann (nach Schubert) am 11.10.1844.  


RZ (Rostocker Zeitung) vom 15.08.1858:

Nebeneinander inserieren 3 Fotografen: Außer G.C. Strauss, Hopfenmarkt 19 und F. Miede, Koßfelderstr. 28

auch F.H. Dethleff: „Das neue photographische Atelier von F.H. Dethleff, 13 Poststraße 13, ist während

                              der Warnemünder Bade-Saison in Rostock nur Morgens von 9 bis 12 geöffnet.“


RZ vom 30.01.1859:















RZ von So., 17.08.1873:

„Statt besonderer Meldung. Plötzlich und unerwartet endete ein Schlagfluß heute Morgen 3 Uhr das

thätige Leben unseres lieben Gatten und Vaters, des Lithographen F. H. Dethleff, in seinem 62.

Lebensjahre, tief betrauert von seinen Hinterbliebenen.                    Rostock, den 16. August 1873.“

(Bezüglich der Fischertor-Aufnahme mit den 3 Mädchen wäre es von Interesse, genaueres über 

                                                                                   Kinder des „Vaters“ Dethleff herauszufinden)


In derselben Zeitung erschien noch eine kleine Annonce des bereits am Vortage verstorbenen Dethleff:

              „Durch neue Einrichtung kann ich Photographien à Dtzd. von 1 Thlr. an liefern.

                                 Photograph. Atelier F. H. Dethleff, Poststr. 13“


Aus den Friedhofsbüchern geht hervor, dass „Franz Dethleff, Lithograph, 61 J.“

am 19.08.1873 auf dem Alten Friehof in Rostock beerdigt wurde.


Eine kurze Würdigung eines unbekannten Autors erschien einige Tage später in der RZ vom 22.08.1873:

„Rostock, 21. Aug. Am 16. d. M. starb hier  F r a n z  D e t h l e f f,  Besitzer einer lithographischen und photographischen Anstalt, als Mensch und Bürger geachtet. Derselbe war hier und auch in weiteren Kreisen wegen seiner archäologischen, naturhistorischen, Gemälde-, Kupferstich- und Handzeichnungs-Sammlung bekannt, und hat sich auch um die Wissenschaft durch die Entdeckung der  ‚T r i l o b i t e n‘  in dem in Mecklenburg vorkommenden Gestein verdient gemacht.  Möchten seine Sammlungen den hiesigen öffentlichen Instituten erhalten bleiben ! -- Dethleff, 1812 zu Rostock geboren, war durchaus Autodidakt.  Er war von hier als Holzdrechsler auf die Wanderschaft gegangen, hatte sich dann der Lithographie zugewandt

und sich in Kunst und Wissen auszubilden gesucht.  Nach mancherlei Lebensschicksalen war er 1844 hierher zurückgekehrt und hatte seine lithographische Anstalt gegründet.“  

Eine absolut grandiose und hinreißende Aufnahme an der

     Grenze der damaligen technischen Möglichkeiten !   

Es ist zu vermuten, dass die Personen Freunde oder Bekannte von Dethleff waren und als Staffage zweimal unterschiedlich Aufstellung nahmen. Die Dame mit Schürze und Kuchenteller könnte gut Frau Baade vom Fährhaus sein.

Möglicherweise wird hier gerade ein Geburtagskuchen angeschnitten.

2c.

2e.

2f.

2g.

2g.

3a.

4a.

Im gleichen Stil wie oben (2.) geht es hier mit großflächiger Retusche

munter weiter: Die Aufnahmen 3. und 4. von der Fischerbastion aus

(spätestens 1869) sind zwar nicht bezeichnet, können aber mit sehr

hoher Wahrscheinlichkeit nur von F. H. Dethleff sein.

Der Ausschnitt 3a. zeigt das im Febr. 1870 abgebrochene Fischertor.

Von der Fischerbastion, vermutlich vor 1866, Albumin-Abzug ohne Karton,

ca. 17 x 21 cm, Reproduktion (!) des 19. Jhs. Am unteren Rand erkennt man eine Art primitive Klemmvorrichtung für das Bild und einige unlogische Unschärfen im Bild selbst lassen vermuten, dass die Vorlage etwas wellig war. Weiterhin ist  am unteren Rand der Vorlage ein Flickstreifen angeklebt. Sieht man hier eine Sicherungskopie, weil die Platte zu Bruch ging ?

Der Vordergrund des eigentlichen Fotos sowie die Bäume und Büsche wurden in zwei Helligkeitsstufen weitgehend retuschiert. Unter der Lupe erinnert die Methode sehr an die Gehlsdorf - Sicht von F.H. Dethleff.

   Gleich wie, es ist das einzig bekannte Foto vom Fischertor (Abriss 1870) und eine der charmantesten Aufnahmen aus dem alten Rostock.

Weiter unten (3d.) im Vergleich mit der Sicht 2009.

Die Fischertor - Aufnahme, höchstwahrscheinlich von Dethleff

3.

3b.

3c.

x

x

B

B

Blick von der Fischerbastion auf den Hafen, vermutlich um 1865, Albumin-Abzug ohne Karton, ca. 15 x 19 cm,

wenige Tage früher oder später als Foto 3. aufgenommen.  

Ein Vergleich der beiden Ausschnitte 3c. und 4b. oben zeigt:

  1. -die geringere Schärfe von 3., vermutlich wegen der Reproduktion,

  2. -eine identische Gebäude- und Schuppensituation, selbst die eine krumme Bohle (B) an der Rüstung scheint dieselbe zu sein.

4b.

x Stadtmauer bis Grapengießerstr.

4.

Am Strande, Aufn. sicher vor 1868 (Gebäudesituation), vermutlich um 1860. Standpunkt zw.

Mönchentor und Koßfelderstraße. Man könnte meinen, dass dieses Foto und die Nr. 2 unter „Fotograf unbekannt“ aus entgegengesetzter Richtung am selben Tag aufgenommen wurden: Gesamteindruck, Jahreszeit und Tageszeit sowie Bebauung und Kranstellung scheinen gleich 

zu sein. Die Masten der Schiffe sprechen jedoch dagegen. Bis auf den wohl auf beiden Fotos

vorkommenden größeren Mann mit Zylinder (Hafenmeister?) sind keine Ähnlichkeiten bei den

anderen Personen erkennbar. Details: Links die Situation vor dem Bau des „Zollspeichers“,

sichtbar in dem langgestreckten Wohnhaus (Abbruch 1868) ist ein Stück Stadtmauer mit Stützpfeilern und oben wohl Balkenauflage. Rechts hinter den Wanten das dunkle Teil mit der 

  Schräge ist ein Schwimmbagger. Das freistehende kleine Gebäude (H) zw. Burgwalltor (B)

                                 und Lagertor (L) dürfte evt. das „Comptoir des Hafenmeisters“ sein.

B

L

H

5a.

2j.

1a.

6a.

6.

7.

Dethleff hat sich wohl gelegentlich

gerne selbst mit ins Bild gestellt.

Bei der Hafenansicht 6a. soll er der

Überlieferung nach der kleine Mann

mit dem hellen Hut sein. Bei dem

zeitnahen Foto von der Fähre 1a./2j.

ist eine gewisse Ähnlichkeit erkennbar,

wobei re. die schwarzen Haare in Form

einer Ohrenklappe reine Retusche sind.

Bei dem großen Ausschnitt 5a. hier

(Juni 1871, Dethleff knapp 59 Jahre alt)

fällt nach der bei Sandra Schwede

genannten Personenbeschreibung die

Wahl nicht schwer: Vermutlich war

Dethleff nur um die 1,60 m groß.

Außerdem steckte er gerne beide Hände

in die Hosentaschen, wie es scheint.

1871 in der Poststr.

an der „Ehrenpforte“,

= Krämerstr. unten,

     Abzug mit

          Hitzefehler ?

Stadtwaage, Gr. Mönchenstr.,

Abbruch Anfang Mai 1870

Die Ausschnitte 3c. und 4b. zeigen eine nahezu identische Situation.

8a.

RZ ab 20.02.1870

RZ ab 27.02.1870

8.

Erfeulicherweise erlaubt hier die gute Auflösung des Fotos in Verbindung mit den Ankündigungen in der RZ eine Datierung

der Aufnahme auf Ende Februar bis Ende April 1870

(ab 28.04. Abriss der Waage). Der Text des Plakates

scheint mit der unteren Anzeige übereinzustimmen.

Der Sonnenstand wurde v. Dethleff ideal abgepasst.

    Darüber hinaus kann man im Vergl. mit Bild 7.

leicht erkennen, dass die Brucksch-Kopie v. 1895

an den Seiten nicht vollständig ist.

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Vergleich um 1865 / 2009: Der Abstand der Turmspitzen von Petri und Marien wurde

für die Vergrößerung des anschließenden Fotos von 2009 als alleiniger Maßstab verwendet.

Die beiden obersten Dachböden des Speichers wurden noch im 19. Jh. abgenommen.

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Die Turmspitzen von Petri und Marien stehen genau übereinander. Die drei Firstpunkte (rot, links Wokr. 28) zeigen an, dass 

Dethleff auf der Fischerbastion etwas südlicher stand als ich. Die Ecken des Fischertores wurden trotz leicht abweichender

Perspektive hier mal auf 2009 übertragen. Der angedeutete Standort des ehem. Tores verträgt auch einen Vergleich

mit dem Tarnow-Plan (siehe Ausschnitt weiter oben - O). Nach dessen Maßstab stand das etwa 6 m breite Tor ca.

193 - 199 m westl. und ca. 74 m nördl. der Speicherecke Badstüberstr. / Auf der Huder. Einige rötliche Steine im

Gehweg und eine Hinweistafel am Rande würden an diesem völlig veränderten Ort gut der Orientierung dienen.

3d.

O

Fischertor, Vergleichsfoto 2009 weiter unten

Die Originalaufnahme (hier Repro Nr. 316 von Eggers) ist im Besitz der

Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Rostock und kaum größer als eine Visitenkarte. Dort ist 1855 als Aufnahmejahr vermerkt (etwas zu

früh) und Dethleff soll der kleine Mann links mit dem hellen Hut sein.

An dieser Stelle folgt nun endlich einiges zu F.H. Dethleff‘s lithographischen Werken, von denen vor allem das „Album von Rostock“

mit 12 „der schönsten Prospecte ... im Thondruck“ (ersch. 1848) zu nennen ist, hier stellvertretend die eine darin enthaltene

Ansicht von Warnemünde. Nach dem vollständigen Exemplar in der Sondersammlung der UB (Mk - 10691/11 <R>) sind es ... >>>

>>> folgende Motive:


Nr.  1  „DAS  RATHHAUS  ZU  ROSTOCK.“ / ca. 1846

Nr.  2  „DAS  PETRITHOR  UND  DIE  ST. PETRI-KIRCHE  ZU  ROSTOCK.“  / ca. 1846, mit dem Vorgänger der späteren Klappbrücke

Nr.  3  „EIN  THEIL  DES  HAFENS  ZU  ROSTOCK.“  / 1847 (links im Bild), Blick von der Lagerbrücke mit Kran rechts im Bild.

          Im AHR befindet sich ein Foto mit fast identischem Motiv, aller Wahrscheinlichkeit nach von F. H. Dethleff (a: als beschnittenes

          Original, nach Gebäudesituation vor 1868 aufgenommen, mit Spuren eines ehem. Passepartouts, und b: als Repro derselben

          Aufnahme, von Eggers, falsch datiert mit 1880, Vorlage jedoch  m i t  Passepartout nach Dethleff-Art und Rahmen).

Nr.  4  „EIN  THEIL  DES  HAFENS  ZU  ROSTOCK. (Vom Ballastplatze aus.)“  / 1847 o. 48, aus Richtung Fischerbastion

Nr.  5  „DIE  ST. MARIEN-KIRCHE  ZU ROSTOCK.  (Von der Südseite.)“ / 1847 oder 48

Nr.  6  „ROSTOCK  VON  DER  NORDSEITE.“  / 1847 o. 48, eigentlich mehr von Nordwesten mit Blick von der Warnow aus

Nr.  7  „DAS  STEINTHOR  UND  DIE  NEUE  STRASSE  ZU  ROSTOCK.“  / 1847 o. 48, mit Zwinger, von Südwesten

Nr.  8  „DAS  MÜHLENTHOR  UND  DIE  ST. NICOLAI-KIRCHE  ZU  ROSTOCK.“  / 1847 o. 48,  schönes Mühlendamm-Motiv

Nr.  9  „WARNEMÜNDE  VON  DER  OST-MOLE.“  / 1847 o. 48, siehe oben

Nr. 10 „DER  BLÜCHERPLATZ  ZU  ROSTOCK.“  / 1847 o. 48, mit Barocksaal, Palais und Brunnen links im Bild

Nr. 11 „DAS  NEUE  SCHULGEBÄUDE  ZU  ROSTOCK.“  / ca. 1846, die Fr.-Fr.-Knabenschule v. Anfang der 1840er, mit Wallgraben

Nr. 12 „DAS  KRÖPELINERTHOR  UND  DIE  ST. JACOBI-KIRCHE  ZU  ROSTOCK.“  / 1847 o. 48, v. Südw., mit Brücke, Anbauten fertig


Anmerkungen:

Vermutlich ist das „Album“ nur in Form loser Blätter erschienen, worauf 3 Dinge hindeuten: 1. Das vollständige Exemplar in der

Sondersammlung der UB besteht aus Einzelblättern ohne die geringste Beschädigung der Blattränder. 2. Das Expl. im AHR (o. Bl. 7)

ist ein gebundenes Album mit einem etwas geringeren Format und enthält den Eintrag „ungeb. (=ungebunden) ... von ...“, an den

Verein für Rostocks Altertümer, also erst nach Schenkung gebunden. 3. Die Dethleff-Anzeige v. 03.12.1848: ... „Umschlag“ ... (s. u.).

Die Blätter sind sowohl ohne, als auch mit Kolorierung geliefert worden, obwohl nach dem handschr. Entwurf der 1846er Anzeige

(Einlage im Album des AHR) FHD ursprünglich auf die kolorierte Variante verzichten wollte.

   Wie es scheint, haben alle Blätter, vermutlich herstellungsbedingt wegen der Passgenauigkeit des Tondrucks, 2 kleine Nadellöcher (unten links und oben rechts in der Ecke der breiteren Rahmenlinie).

   In der Sitzbank auf Blatt Nr. 3 sind spiegelverkehrt die Initialen „F H D“ erkennbar.   Blatt Nr. 9 (1847 o. 48) erinnert etwas an

das romantische Bild von Ludwig Richter, Überfahrt am Schreckenstein (1837), der „Musikdampfervorläufer“ dort mit Harfe:

RZ 15.11.1846

RZ 03.12.1848

Folgend 2 wichtige Fundsachen aus der Rostocker Zeitung vom Dez. 1865 und Dez. 1866: Außer dem lithografischen Album gibt es

auch ein fotografisches Album, dessen Aufnahmen 1865 o. 66 entstanden sein dürften. Das namenlose fotogr. Album mit 10 Fotos,

befindlich in der Sondersammlung der UB, welches vor Jahrzehnten Friedrich Miede zugeschrieben wurde, stand wegen verschiedener

Details ohnehin sehr in Verdacht, von Dethleff zu sein. Diese Anzeige kann man wohl als endgültigen Beleg dafür nehmen. Von Miede

ist nichts gleichartiges bekannt. Weiterhin zeigt sich, dass das „Prachtblatt“ „Rostock von der Fähre“ 1865 noch nicht angeboten wird,

womit die Wahrscheinlichkeit, dass die Aufnahme erst im Sommer 1866 und nicht schon 1858 entstand, sehr zugenommen hat. Hinzu kommt, dass die beiden vermutlich im linken Teil der Aufnahme vorne mit abgebildeten Töchter Anna (*1852) und Meta (*1855) eine

für 1866 schlüssige Größe hätten (siehe Bild 1. und 2b. oben). Bei der Fischertoraufnahme sieht man sie in gleicher Aufstellung von

hinten und um vielleicht 2 - 3 Jahre jünger wirkend. Das Fischertor-Foto könnte demnach von 1863 o. 1864 sein.

Eine weitere Durchsicht der RZ auf Dethleff`sche Weihnachtsgeschenke verspricht noch einige Neuigkeiten. 

RZ 17.12.1865

RZ 09.12.1866

Meta

*1855

Anna

*1852

Anna

*1852

Meta

*1855

Anna

Meta

Auguste?

Auguste?

Auguste?

RZ 09.12.1866

Die Originalaufnahme hier (Bildgröße ca. 27,7 x 42,6 cm) scheint seit der Reproduktion

(1920er / 30er Jahre ?) weiter ausgeblichen zu sein, verfügt aber über etwas mehr Auflösung.

Die Ausschnitte verdeutlichen etliche Besonderheiten:

  1. -die ursprüngliche Nahtstelle der beiden Teilaufnahmen,

  2. -den Unterschied zwischen der unauffälligen Retusche von Dethleff und der schwarzen Retusche

  des Reprofotografen Jahrzehnte später,

  1. -der Mann in der Bildmitte ist aufgeklebt (!) 

  2. -Ohne dass es gleich groß auffällt: Die Bäume am linken Rand haben aus kompositorischen

  Gründen Zuwachs bekommen - die obere Hälfte der Kronen sind ein reines Pinselergebnis.

  1. -Nach Durchsicht von Miede-Fotos zeigt sich, dass er selbst in „abgesoffenen“ Schattenpartien

  keine Retusche vorgenommen hat, während Dethleff hier offenkundig ganz unbekümmert

  zu Werke ging - ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der beiden Pioniere.

  1. -Bei der rechten Teilaufnahme scheint Dethleff mit im Bild zu stehen, während seine

  ca. 14-jährige Tochter Anna fehlt (an der Kamera ?).

2.

a     l     t     -     r     o     s     t     o     c     k     .     d     e

Die Kaikante hatte, wenn sie noch die des Tarnow-

Planes war, von der linken Hausecke einen Abstand

von ca. 33m, ab 1888 ca. 57m. 2012 ca. 66m.

Aufn. 09.11.2012: linke Hausecke und

Windenhäuschen des Speichers etwa gleich.